Die ökonomische Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Wetterschocks und extremen Klimaereignissen
Durch den Klimawandel bedingte Zunahmen in Intensität und Häufigkeit extremer hydro-meteorologischer Ereignisse stellen Risiken für die Produktivität und Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Systeme dar. Resilienzfördernde Strategien können dazu beitragen, dass landwirtschaftliche Systeme besser mit diesenBedrohungen umgehen.
Die Resilienz eines landwirtschaftlichen Systems umfasst die Fähigkeit, sowohl ökologische als auch sozioökonomische Funktionen während eines Schocks aufrechtzuerhalten. Genau hier setzt dieses STSM an: Es untersucht, wie sich Wetterschocks und Klimaextreme auf die wirtschaftliche Resilienz landwirtschaftlicher Systeme auswirken – und welche Ansatzpunkte es gibt, um diese Resilienz gezielt zu stärken.
Das STSM wird unter der Leitung von Guy Low (Agriculture and Food Business Management) in Zusammenarbeit mit dem Department of Agricultural Economics der Kansas State University durchgeführt. Die Partnerinstitution bringt ausgewiesene Expertise im Umgang mit Wetterrisiken, in der Klimawandelökonomik sowie in der landwirtschaftlichen Versicherung ein.
Das Projekt leistet einen direken Beitrag zu einer Reihe von Forschungspublikationen, die die ökonomische Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Wetterschocks und Klimaextremen in Deutschland, den USA und weltweit analysieren. Darüber hinaus schafft das STSM eine wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Kooperationen zur Resilienz landwirtschaftlicher Systeme unter den Bedingungen eines unsicheren zukünftigen Klimas.
Ankündigung eines Vortrags über Resilienz in der europäischen Landwirtschaft von Guy Low an der Kansas State University.
Ein Monarchfalter (Danaus plexippus) im English Garden des Moore House, Kansas auf seiner Migrationsroute nach Mexiko.
K-State Homecoming - Parade in Aggieville.
Treffen mit dem KSU-Maskottchen – Willie the Wildcat
Die heutigen Klimaextreme – jene seltenen und oftmals gravierenden Abweichungen vom historischen, als normal geltenden Wetter eines bestimmten Klimas – werden laut dem jüngsten, sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC, 2021) in den kommenden Jahrzehnten infolge des globalen Klimawandels voraussichtlich häufiger, intensiver und langanhaltender auftreten. Die Auswirkungen zunehmender Klimaextreme auf den Agrarsektor, etwa durch Dürren, Staunässe oder Hitzewellen, sind grundsätzlich gut dokumentiert. Dennoch besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Vulnerabilität der europäischen landwirtschaftlichen Produktion gegenüber einer Vielzahl zukünftiger extremer Klimaereignisse und -szenarien.
Die jüngere einschlägige Literatur zu den Auswirkungen von Klimaextremen auf die Leistungsfähigkeit europäischer Ackerbaubetriebe beschränkt sich jedoch meist auf einzelne Länder; nur wenige Studien verfolgen eine gesamteuropäische Perspektive. Zudem konzentrieren sich diese Arbeiten überwiegend ausschließlich auf die Effekte von Extremereignissen auf eine einzelne Leistungskennzahl, nämlich die Erträge, und berücksichtigen andere wichtige produktivitäts- oder monetärbezogene Indikatoren nur unzureichend. Drittens schätzen die meisten Studien die historischen Auswirkungen von Klimaextremen lediglich in Bezug auf Erwartungswert und Varianz und analysieren damit die Form der Ergebnisverteilungen nicht ausreichend über höhere Momente hinweg. Infolgedessen fehlt bislang eine vergleichende Bewertung der Ergebnisverteilungen zwischen einer historischen Referenzperiode und zukünftigen Klimaszenarien. Schließlich besteht zudem ein Mangel an Sensitivitätsanalysen zwischen unterschiedlichen Modellierungsansätzen zur Bewertung der Auswirkungen von Klimaextremen.
Vor diesem Hintergrund wurde dieses STSM-Projekt mit dem übergeordneten Ziel konzipiert, die genannten Forschungslücken zu adressieren – in enger Zusammenarbeit mit und unter Nutzung der Expertise des Department of Agricultural Economics der Kansas State University (USA). Das Department verfügt über ausgewiesene Kompetenz in den Bereichen Wetterrisikomanagement, Klimaökonomie und Agrarversicherung. Methodisch zielte das Projekt insbesondere darauf ab, Fortschritte bei der Schätzung von Dichteverteilungen landwirtschaftlicher Ergebnisse auf Basis historischer Wetterdaten zu erzielen und Parameter für Mittelwert, Varianz, Schiefe und Kurtosis für verschiedene betriebliche Leistungsindikatoren zu rekonstruieren (Erträge zentraler europäischer Kulturen, Betriebseinkommen und Produktivität). Diese wurden anschließend mithilfe von Klimamodellen erweitert, um klimaverschobene Ergebnisverteilungen zu simulieren. Darüber hinaus greift das Projekt auf herausragende europäische Datengrundlagen zurück: das EU-Farm Accountancy Data Network (FADN) für betriebswirtschaftliche Daten sowie ERA5-Wetterdaten des Copernicus Climate Change Service.
Auch wenn die konkreten Ergebnisse derzeit noch erarbeitet werden, ist bereits absehbar, dass die Studie mehrere wichtige Beiträge leistet. Sie zählt zu den wenigen Untersuchungen, die das ökonomische Risiko vergangener, aktueller und zukünftiger Klimabedingungen in Europa systematisch auf Betriebsebene analysieren – und das in einer bislang nicht genutzten räumlichen Detailtiefe. Besonders bedeutsam ist, dass durch die Berücksichtigung höherer Momente der Ergebnisverteilungen (also über Mittelwert und Varianz hinaus) ein differenzierteres Verständnis der wirtschaftlichen Folgen extremer Ereignisse möglich wird – insbesondere jener besonders stark negativ ausgeprägten Extremfälle am Rand der Verteilung. Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden im März 2026 auf der Konferenz der Agricultural Economics Society (AES) präsentiert und münden in ein wissenschaftliches Manuskript, das noch in diesem Jahr bei einer einschlägigen Q1-Fachzeitschrift eingereicht werden soll. Langfristig ist eine Reihe weiterer Publikationen geplant, die auf den aktuellen Ergebnissen aufbauen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Analyse von Mechanismen landwirtschaftlicher Resilienz gegenüber Klimaextremen sowie der Frage, welche Faktoren – etwa wirtschafts- oder umweltpolitische Maßnahmen, Diversifizierung oder Landschaftsstruktur – die Anpassungsfähigkeit von Betrieben an den Klimawandel stärken.
Diese STSM bot eine einzigartige Gelegenheit für eine interkontinentale Zusammenarbeit und den Aufbau wechselseitig bereichernder wissenschaftlicher Netzwerke. Neben der methodischen Kooperation förderte die Einbindung in die Kansas State University auch einen intensiven fachlichen Austausch – im Laufe des Monats wurden mehrere Seminare organisiert, darunter ein Kurzvortrag, den ich selbst im Department hielt. Darüber hinaus entstanden anregende akademische und kulturelle Diskussionen über Arbeits- und Wissenschaftskultur, die Situation jüngerer Forschender sowie über künftige Beschäftigungs- und Kooperationsmöglichkeiten.
Insgesamt war die STSM eine ausgezeichnete Erfahrung, die vom Kompetenzzentrum Landschaftsresilienz sehr gut organisiert wurde. Der Antragsprozess verlief reibungslos und transparent, und die bereitgestellten Fördermittel für die vorgesehenen Ziele waren ausreichend. Die im Antrag formulierten Ziele befinden sich auf einem sehr guten Weg zur erfolgreichen Umsetzung.
Guy Low Short-Term Scientific Missions
2025Die ökonomische Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Wetterschocks und extremen Klimaereignissen
Deutschland und USA im internationalen Vergleich
Impressionen
Photos: Guy Low
Ergebnisse & Reflexion
Hintergrund und Forschungsansatz
Rolle der Short-Term Scientific Mission
Wissenschaftlicher Austausch & Integration
Organisation, Rahmenbedingungen & Ausblick
Highlights
Kontakt:
E-Mail: guy.low@uni-goettingen.de
Phone: +49-551-39-27985