Bericht der zweiten Projektgruppe 2025/26: Exkursion 06.-08.02.2026


Während des Wochenendes vom 6. bis 8. Februar hieß es: Jetzt gilt’s! Wir durften unsere erarbeiteten Ergebnisse präsentieren. Während des Semesters hatten wir antike Quellen und moderne Forschungsliteratur gewälzt. Hunderte Seiten an Informationen mussten so heruntergebrochen werden, dass die wichtigsten Inhalte destilliert auf 800 Zeichen pro Schild ein stimmiges Gesamtbild liefern. Aus der Bilderflut von Rekonstruktionen, Mosaiken und Reliefs, sowie archäologischen Funden und Karten mussten die wenigen ausgewählt werden, die für die Entwürfe am informativsten und repräsentativsten erschienen. Im Ergebnis kamen so 17 Stationen auf zwei Rundwegen, sowie eine Sonderstation, zusammen, die feinsäuberlich einlaminiert auch bei Regenwetter halten sollten. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank Dr. Martin Lindner und unseren Mentor*innen, welche in stundenlanger Wochenendarbeit die letzten Layoutfeinheiten erledigten – und natürlich auch für die sonstige Betreuung: Danke!

Nach der unkomplizierten Anreise erwartete uns Wetter, das wir eigentlich in Göttingen gelassen glaubten: kalter, kleidungsschichtendurchdringender Nieselregen. Die Laune ließen wir uns trotzdem nicht verderben und wanderten, nachdem alle Exkursionsteilnehmenden am Bahnhof Bad Dürkheim eingetröpfelt waren, zu ‚unserer‘ Villa nach Wachenheim. Hier nahmen wir die Gruppeneinteilung für die morgige Präsentation vor und stimmten die letzte Feinjustierung in der Routenführung ab, welche im Anschluss als feuchte Trockenübung abgegangen wurde. Durchgefroren, aber vorbereitet, freuten wir uns umso mehr auf das Abendessen im Jugendhaus St. Christopherus. Anschließend klang der Abend, entweder beim Kartenspiel oder bei tiefsinnigen Gesprächen, aus.

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Trockenübung bei strömendem Regen: Schutzbauten für Ruinen und Studierende – © Leon Hahne

Tags darauf ging es nach dem Frühstück nach Wachenheim, um unsere Stationen aufzubauen. Dankenswerterweise wurden uns Schildfüße gestellt, sodass wir unsere laminierten Textentwürfe flexibel und standfest positionieren konnten. Zum Glück zeigten sich auch die Wettergötter gewogen, und statt Regen wurde der Tag von Pfälzer Sonnenschein begleitet. Nach dem Aufbau durften wir freundlicherweise im Wachenheimer Feuerwehrhaus unsere Mittagspause mit warmen Getränken verbringen. Der Fußmarsch, sowohl auf dem Hin- wie auf dem Rückweg, blieb uns dieses Mal durch den Bürgerbus erspart, damit wir voller Energie in die Führung starten konnten. Auch an dieser Stelle: Vielen Dank für die durchgehende Gastfreundschaft und wohlwollende Unterstützung!

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Gleich geht es los: Aufbau der Schilder – © Solveigh Fliegner

Nach dem Vorgeplänkel ging es dann um 14.00 Uhr auf dem Gelände der Villa ans Eingemachte. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Verein und einleitenden Worten von Herrn Lindner zur Konzeption des Projekts, zum Seminarablauf und den Ideen hinter den jeweiligen Routen begannen alle Kleingruppen, ihr Publikum durch die Fläche zu führen. Die Neugier über unsere Entwürfe war groß und die Nachfragen zahlreich. Die meisten, wenn auch nicht alle, konnten wir beantworten. Unsere Idee, die Inhalte der Tafeln zu ‚entschlacken‘, um die wichtigsten Informationen kurz und prägnant an den Adressaten zu bringen, wurde durchgehend positiv aufgenommen. Das Konzept von zwei separaten, voneinander unabhängigen Routen kam gut an, auch Überlegungen zur Barrierefreiheit und mögliche Zukunftsvisionen fanden Anklang.

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Der Moment der Wahrheit: Schilder werden von Kleingruppen erklärt – © Martin Lindner

Aber nicht nur das geladene Publikum, das aus Vereinsmitgliedern und der freundlichen Pressebegleitung durch Sigrid Ladwig bestand, nahm die Neugestaltung wohlwollend auf. Bereits während der Mittagspause konnte beobachtet werden, dass die ersten Touristen unsere Route abgingen. Egal ob Pärchen auf Fahrradtour, Hundehalter beim Gassigehen, Großmutter mit Enkelkind oder fünfköpfige Familie: Unsere Schilder mussten sich bei der spontanen Laufkundschaft bewähren. Diese warf meistens nur einen kurzen Blick auf die alten Tafeln, um dann die neukonzeptualisierte Route abzugehen. Somit konnte unter realen Bedingungen demonstriert werden: Die Arbeit hat sich gelohnt, die neuen Schilder(entwürfe) funktionieren!

Ein besonderes Highlight marschierte direkt im Anschluss an die Führungen in die Villa ein. Der Legionär Thomas Karle betrat in voller Montur das Gelände und zog uns alle in seinen Bann. Das Potenzial historischer Gewandung für die Geschichtsvermittlung wurde direkt deutlich. Wenn die Möglichkeit besteht, Kettenhemd, Helm, Schwert, Speer und Turmschild anzulegen, schaut sich keiner mehr Texte an. Reenactment und das ‚Lebendigmachen‘ als integraler Bestandteil der modernen Villennutzung sind also vielversprechend. Leider waren weitere angekündigte Reenactment-Darstellerinnen, erkrankt und mussten spontan absagen. Offensichtlich haben sie zu wenig Minze gegessen, die, wie wir unter anderem beim Schild „Kräutergarten“ gelernt haben, gegen jedes Problem helfen sollte. Dennoch verflog die Zeit im Soldatenleben, zwischen Militärdiplomen und Fotoshooting in Rüstung, wie im Flug. Nach dem Abbau der Schilder ging es dann nach Bad Dürkheim, wo der Tag erschöpft, aber zufrieden, für alle Beteiligten endete.

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Der Legionär spricht: Begeisterung über Wissen und Rüstung – © Juliane Danell

Nach unserer vorerst letzten Mahlzeit im Jugendhaus St. Christophorus nutzten wir die Zeit vor unserer Abreise, um Rückmeldungen und Eindrücke sowohl von unserem Publikum als auch von uns selbst zu teilen. Wir nahmen das Lob, die Verbesserungsvorschläge und neu vorgeschlagene Aspekte gerne auf, um es den nächsten Gruppen, die sich der Entwicklung der Schilder stellen, mit in die Hände zu geben. Die ersten dieser Gruppen bildeten sich auch schon just in diesem Moment aus den Teilnehmenden, die die Villa in Wachenheim noch nicht loslassen wollten. Die verschiedenen Bereiche, die gerade erst angekratzt wurden, wie Barrierefreiheit, Narrativierung und ein weiteres Ausführen der wissenschaftlich basierten Hintergründe, planten die neu gegründeten Gruppen in einzelnen FoLL-Projekten zu vertiefen.

Aus Perspektive der Studierenden bleibt uns nach der letzten Veranstaltung der zweiten Projektphase in Wachenheim vor allem eins: Danke zu sagen. Es hat uns sehr viel Freude gemacht, Texte zu gestalten, die auch von anderen Personen als Dozierenden gelesen werden sollen. Für die ganze Unterstützung, die uns dabei vor Ort entgegenkam, möchten wir uns vor allem beim Verein Förderkreis Villa rustica Wachenheim e.V. bedanken. Aber auch die Nutzung des Feuerwehrhauses, des Bürgerbusses und die immer wieder freundliche Unterkunft im Jugendhaus St. Christopherus sorgten dafür, dass wir uns durchgehend willkommen gefühlt haben. Dem Legionär Thomas Karle und seiner Unterstützerin ebenfalls ein großer Dank, dafür, dass nun fast alle Studierenden Fotos in römischer Militärmontur besitzen. Und auch die freundliche Berichterstattung Sigrid Ladwigs wird uns positiv in Erinnerung bleiben. Abschließend ein großes Dankeschön an Herrn Dr. Martin Lindner für seine engagierte Betreuung. Ohne ihn wäre all dies gar nicht möglich gewesen.

Bericht der studentischen Teilnehmer*innen: Solveigh Fliegner und Ernst Leon Hahne

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Ein letztes Bild mit Förderverein, Reenactor und Projektbeteiligten – © Villa rustica Wachenheim e.V.