Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Martin Tamcke hatte von 1999 bis 2021 die Professur für Ökumenische Theologie mit dem Schwerpunkt Orientalische Kirchen- und Missionsgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen inne. In dieser Position führte er die Göttinger Tradition der Ostkirchenkunde nicht nur fort, sondern brachte sie zu neuer Blüte. Martin Tamcke zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Ostkirchenkundlern der Gegenwart und genoss auch international großes Ansehen.
Ein Schwerpunkt seiner Forschung war die syrische Kirchengeschichte. Da die Geschichte und Gegenwart des orientalischen Christentums nicht ohne Bezug zum Islam verstanden werden kann, machte er dieses Thema zu einem weiteren Schwerpunkt seiner Forschung. Über das orientalisch-orthodoxe Christentum hinaus nahm Martin Tamcke auch das byzantinisch-orthodoxe Christentum in den Blick. Mit seinen zahlreichen Publikationen gab er nicht nur solide und verständliche Einführungen in eine für das westliche Christentum oft fremde Welt, sondern machte auch auf die politisch oft prekäre Lage des orthodoxen Christentums in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens, in Ägypten, Äthiopien und Armenien sowie die damit verbundenen Migrationsphänomene aufmerksam.
Martin Tamcke war sich während seiner akademischen Tätigkeit bewusst, dass eine lebendige Begegnung mit den Vertretern des orthodoxen Christentums zu einem tieferen Verständnis desselben gehört. Er reiste deshalb viel und baute ein weit verzweigtes internationales Netzwerk mit etwa 40 Partneruniversitäten auf. Zugleich sorgte er dafür, dass internationale Begegnungen in Göttingen möglich wurden, indem er die Studiengänge „Intercultural Theology” und „Eurocultures” mitbegründete und viele Jahre lang leitete. Er war eng mit dem Programm „Studium im Mittleren Osten“ (SIMO) verbunden, das Studierenden einen Studienaufenthalt an der Near East School of Theology in Beirut ermöglicht. Als akademischer Lehrer erschloss er Generationen von Studierenden auf eindrückliche Weise die Welt des orthodoxen Christentums.
Darüber hinaus hat sich Martin Tamcke in ökumenische Gespräche eingebracht: Er gehörte der EKD-Konsultationsgruppe mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen sowie der Kommission für den Dialog der EKD mit der Russischen Orthodoxen Kirche an.
Die Akademische Gedenkfeier zielt darauf, Einblicke in die Forschung und das ökumenische Wirken von Herrn Prof. Tamcke zu geben. Wegbegleiter und zahlreiche Bischöfe der Ostkirchen werden von ihrer Zusammenarbeit mit Herrn Tamcke berichten. Ferner wird Johannes Markus Meckel (ehemaliger Theologe, Politiker und Mitglied des Bundestages) die Bedeutung von Herrn Prof. Tamcke für das Verhältnis von Kirche und Staat aufzeigen.
Die Gedenkfeier wird auch auf YouTube gestreamt
Anmeldung zu Akademischen Gedenkfeier in der Aula in Präsenz unter: daniela.barton@theologie.uni-goettingen.de
Programm:
Grußwort – Prof. Dr. Reinhard Müller, Dekan der Theologischen Fakultät Göttingen
Grußwort – Würdenträger verschiedener Ostkirchen
a) Eminenz Metropolit Bischof Anba Damian (koptisch-orthodoxe Kirche)
b) Eminenz Mor Philoxenus Mattias Nayis (Syrisch-Orthodoxe Kirche)
Grußwort – Oberkirchenrat Dirk Stelter, zuständig für Mission und Ökumene, Landeskirche Hannover
Musik
Intercultural Hermeneutics as a Research Agenda. Highlights of Martin Tamcke's Academic Work – Prof. Dr. Jennifer Wasmuth, Göttingen
Martin Tamcke als Lehrer, als Inspirator, als Netzwerker und als Freund
Versuch einer Würdigung –
Johannes Markus Meckel, Außenminister a. D., Berlin
Musik
Empfang – mit Präsentation der Festschrift für Martin Tamcke durch die Herausgeber PD Dr. Catalin- Stefan Popa und Dr. Ali B. Langroudi